Bischof Hofmann zur Zölibatsdebatte

25-10-2009 von Radioredaktion

Er ist ein Dauerbrenner: der Zölibat der katholischen Kirche. Also die Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit. Immer wieder wird darüber diskutiert und gestritten – vor allem dann, wenn wieder einmal ein Pfarrer Amt und Würden verliert, weil er sein Glück bei einer Frau gesucht hat. Zur Zeit ist der Hammelburger Stadtpfarrer Michael Sell in der Debatte; er hat sich zu Partnerin und neugeborenen Sohn bekannt; der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat ihn Mitte Oktober vom Dienst suspendiert; seitdem haben die Medien ein Thema, und in der kirchlichen Welt brodelt es. Lothar Reichel hat Bischof Friedhelm Hofmann im Interview Fragen zum Thema gestellt.

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  1. xenia Sagt:

    Nichts Neues. Schade. Wenn Betroffenheit und immer wiederkehrende Krisensituationen in einem Bereich nicht dazu führen, dass man die Grundbedingungen für die Krise in den Blick nimmt und bereit ist, diese zu verändern, dann nimmt man sehenden Auges in Kauf, dass Menschen zerbrechen, scheitern und sich abwenden. DAS ist der Zölibat nicht wert! Herr Bischof, wachen Sie auf! Sie werden die Welt und die Menschen nicht an ihre hehren Ideale anpassen. Merken Sie, dass Sie auf diesem Weg zunehmend alleine stehen und die Menschen schon längst einen anderen Weg für richtig erkannt haben? Auch viele Menschen, die theologisch und spirituell bewegt sind – und ihre guten Gründe haben.
    Ist es nicht Aufgabe der Kirche, die Menschen auf ihrem Weg zu begleiten? Und nicht, sie mit Knebeln und Vorschriften und Gesetzen auf ihren Weg zu zwingen? Das funktioniert nicht mehr!
    Sie sind alleine, zunehmend, auch wenn sie sich mit den Menschen umgeben können in ihrem Amt, die die alten Gesetze hoch halten. Es werden immer weniger.
    Und Sie berauben damit Gemeinden und Menschen ihrer Seelsorger, die anscheinend sehr gut mit einer "nicht so totalen Verfügbarkeit" und einem "nicht so hoch spirituellen" Priester zurecht kommen – im Gegenteil! Gerade diese oft sehr menschlichen Priester brauchen wir heute. Und ob diese Spiritualität mehr oder weniger hochstehend ist, ist sowieso die Frage – wenn Spiritualität in einer frei gewählten Lebensform (welcher auch immer) wachsen kann, ehrlich und offen, der Mensch mit ganzem Herzen dahinter steht (ob Zölibat oder Ehestand), dient das sicher seiner persönlichen Beziehung zu Gott und seiner glaubwürdig gelebten Spiritualität.
    Wachen Sie auf, Herr Bischof! Ihre Argumente sind zwar in Ihrer Kausalkette verständlich, aber haben nicht mehr viel mit dem zu tun, was die Gemeinden heute brauchen: Begeisterte und menschliche Seelsorger, die sich mit nichts über die Menschen stellen und sich für perfekter, radikaler, spiritueller halten als ihre Gläubigen, die sie begleiten. Daher kommt die Einsamkeit der Priester – dass sich an solche Menschen kaum einer rantraut, weil sie nicht wirklich "einer von uns" sind.

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